Ausgabe #2: Farina – die Geburt des Eau de Cologne

Über Ägypter, Mammuts und den Traum eines italienischen Gentlemans

Manchmal findet man in seinem Alltag kleine Dinge die besonders sind.
Ab und an fängt man dann an, sich noch weiter damit zu beschäftigen und taucht in Geschichten ein, die einen immer tiefer ziehen. So erging es mir, als ich im vergangenen Sommer in Köln das Farina Museum besucht habe.

Hallo meine Kätzchen und willkommen zur 2. Ausgabe auf Gatti Grigi, in der wir die Ursprünge des Parfüms ein wenig beleuchten und uns der Geburt des Eau de Cologne widmen. Spulen wir also in der Menschheitsgeschichte etwas zurück – am besten in die erste bekannte Epoche des Menschen: die Steinzeit.

Die Steinzeit – Daumen und Nase

Wir alle wissen, dass irgendwann ein Affe angefangen hat nur auf den Hinterbeinen zu laufen. Wir alle wissen, dass der Daumen an unseren Händen zur Herstellung von Werkzeugen und deren Benutzung der Schlüssel zur Weltherrschaft war. Das und die Tatsache das wir bis heute in Rudeln agieren. Der moderne Mensch nennt es Teamwork, aber früher haben wir unsere Teamfähigkeit benötigt, um zusammen Mammuts zu erledigen und unsere Art zu ernähren. Die Geschichte von Jägern und Sammlern. Hätten Katzen einen Daumen – diese Welt wäre eine Andere. Aber genauso wichtig wie unser Daumen, war und ist unsere Nase.

Unsere Nase warnt uns vor Gefahren, vor verdorbenen Speisen und schützt uns dabei trockene Luft zu befeuchten, Bakterien zu filtern oder Dinge zu finden. Sie hilft uns schon nach unserer Geburt dabei unsere Mutter zu identifizieren und verknüpft einen Geruch mit unsrem Gehirn. Jeder von uns hat Gerüche abgespeichert und direkt mit Erinnerungen verknüpft. Wenn ich z.B. Bohnen rieche, denke ich sofort an meine Oma und wie ich früher in den Sommerferien meine Zeit bei meinen Großeltern verbringen durfte. Gerüche sind für Menschen ein wichtiges Indiz für eine Zugehörigkeit oder Geborgenheit. Der Duft eines anderen Menschen kann mit uns vieles anstellen. Kein Wunder also, dass der Mensch, als er nicht mehr Nachts in seiner Höhle lag, angefangen hat sich mit wohlriechenden Düften zu schmücken.

Die Reise des Duftes: Wie das Parfüm von Ägypten nach Frankreich kam

Schon lange bevor Parfüm ein modisches Accessoire wurde, war es ein heiliges Ritual. Seine Geschichte beginnt im alten Ägypten – einem Land, in dem Düfte nicht nur den Körper, sondern auch die Seele berührten.

Ägypten – Der Ursprung der Duftkunst

Im alten Ägypten hatten Düfte eine tief religiöse Bedeutung. Weihrauch, Myrrhe, Zimt und Lotus wurden den Göttern geopfert, um ihre Gunst zu erlangen. Priester parfümierten ihre Körper für Zeremonien, und selbst die Toten wurden mit wohlriechenden Ölen einbalsamiert, um sie für das Jenseits vorzubereiten.

Die Ägypter stellten bereits komplexe Duftmischungen her, indem sie Harze, Blüten und Öle in Fetten lösten. Berühmte Düfte wie Kyphi galten als magisch und heilend. Parfüm war Luxus – und Macht.

Über Griechenland nach Italien – Düfte erobern Europa

Durch Handel und Eroberungen gelangte das Wissen über Düfte nach Griechenland. Die Griechen lösten das Parfüm aus dem rein religiösen Kontext und machten es zu einem Teil des Alltags. Athleten parfümierten sich nach Wettkämpfen, Philosophen diskutierten über die Wirkung von Düften auf Geist und Emotionen.

Die Römer übernahmen diese Leidenschaft – und trieben sie auf die Spitze. In Italien, dem Zentrum des Römischen Reiches, wurden Düfte zum Symbol von Reichtum und Genuss. Parfümierte Bäder, Kleidung und sogar Brunnen waren keine Seltenheit. Mit dem Fall des Römischen Reiches geriet die Duftkunst jedoch zeitweise in Vergessenheit.

Italien – Die Wiedergeburt des Parfüms

Im Mittelalter kehrte das Parfüm durch arabische Einflüsse nach Europa zurück. Italien, besonders Städte wie Venedig und Florenz, wurde zum Knotenpunkt des Gewürz- und Duftstoffhandels. Neue Techniken wie die Alkoholdestillation revolutionierten die Parfümherstellung.

Ein Meilenstein war das berühmte Aqua Mirabilis – ein alkoholbasierter Duft, der nicht nur gut roch, sondern auch als Schutz vor Krankheiten galt.

Frankreich – Die Wiege der modernen Parfümerie

Der entscheidende Schritt nach Frankreich erfolgte im 16. Jahrhundert, als Katharina von Medici aus Florenz den französischen König heiratete. Mit ihr kamen italienische Parfümeure an den Hof – und mit ihnen die Duftkunst.

Frankreich, insbesondere Grasse, entwickelte sich dank seines Klimas zur Hochburg des Blumenanbaus. Jasmin, Rose und Lavendel prägten die neue Parfümsprache. Unter Ludwig XIV., dem „Sonnenkönig“, wurde Parfüm endgültig zum unverzichtbaren Bestandteil des höfischen Lebens.

Von den Tempeln Ägyptens über die Handelsrouten Italiens bis zu den Palästen Frankreichs – Parfüm ist mehr als ein angenehmer Geruch. Es ist ein kulturelles Erbe, das Geschichten von Religion, Macht, Kunst und Eleganz erzählt.

Jeder Duft trägt ein Stück dieser Reise in sich – eine unsichtbare Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Doch noch bevor Coco Chanel mit dem No.5 das erste Parfüm einer Modekette in den Handel brachte und damit für Kunden und Kundinnen die günstigste Einstiegsdroge zur Out Couture schuf, legte ein Italiener den Grundstein dazu.

Farina – Das älteste Parfümhaus der Welt und die Geburt des Eau de Cologne

In der beliebten Altstadt von Köln, unweit des Rheins und versteckt zwischen historischen Gassen, befindet sich ein Ort, der für die ganze Welt der Düfte von herausragender Bedeutung ist: das Parfümhaus Farina – die Geburtsstätte des wohl berühmtesten Duftes der Welt: Eau de Cologne

Ein italienischer Traum in einer deutschen Stadt

Die Geschichte beginnt mit Johann Maria Farina, einem Italiener aus dem Piemont. 1706 zog er nach Köln, damals eine lebhafte Stadt im Heiligen Römischen Reich, und wenig später begann er, sich mit der Kunst der Duftkomposition zu beschäftigen. Seine Mission: Einen Duft zu kreieren, der ihn an seine Heimat erinnert – ein „italienischer Frühlingsmorgen nach dem Regen“ – frisch, klar und voll Leichtigkeit.

Vorher haben sich die Menschen mit dicken Moschusdüften (dem Sekret des Moschushirsches) eingesprüht. Zu einer Zeit, als man sich nicht wusch um keine Krankheiten zu übertragen und jeder einfach wild eine neue Deckschicht Moschus auftrug. Man stelle sich den dicken und beißenden Geruch auf den Straßen und in den Kirchen zum Gottesdienst vor. – Furchtbar. Dies war wohl auch ein Grund für Farina etwas dagegen zu unternehmen.

1709 war es dann so weit: Farina entwickelte eine völlig neue Duftkomposition aus Zitronen, Orangen, Bergamotte, Grapefruit, Kräutern und Blumen, verbunden mit einem neutralen Alkohol – eine Mischung, wie sie die Welt vorher noch nicht gerochen hatte. 

Eau de Cologne – mehr als nur ein Duft

Farina nannte sein Meisterwerk „Eau de Cologne“ – zu Ehren seiner neuen Heimatstadt Köln. Der Name, französisch für „Wasser von Köln“, war zu dieser Zeit bewusst gewählt: Französisch war die Sprache des Hofes und des Handels in ganz Europa. 

Was Farina geschaffen hatte, war kein schweres Parfum wie es am Hof üblich war, sondern ein leichter, frischer Duft, der sowohl Männer als auch Frauen begeisterte. Und so begann die unglaubliche Erfolgsgeschichte:

  • Hohe Beliebtheit: Farinas Eau de Cologne wurde bald zu einem Luxusprodukt, das an Königshöfe in ganz Europa geliefert wurde. 
  • Internationale Verbreitung: Bereits in den 1720er-Jahren gingen Lieferungen nach Paris und andere europäische Hauptstädte. 
  • Namensgeber einer Duftkategorie: Aus dem Namen „Eau de Cologne“ entwickelte sich später der allgemeine Begriff „Cologne“ – heute insbesondere für leichte, frische Düfte gebräuchlich. 

Heute klassifizieren wir die verschiedenen Parfüms anhand der Duftölanteile.
Parfum: 15%-40%
Eau de Parfum: 8%-15%
Eau de Toilette: 4%-8%
Eau de Cologne: 3%-5%

Farina – das Parfümhaus, das die Welt veränderte

Das Unternehmen, offiziell „Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH“, wurde am 13. Juli 1709 gegründet und gilt damit als älteste Parfümfabrik der Welt, die bis heute kontinuierlich existiert. Die Familie Farina stellt noch immer in Köln nach dem geheimen Originalrezept Eau de Cologne her. 

Unter den Berühmtesten Trägern des Eau de Cologne zählte übrigens Napoleon Bonaparte. Der berühmte Feldherr versprühte, einer Geschichte nach, bis zu Zwei Flaschen des Bergamotte-Dufts pro Tag. Angeblich ging er nur mit dem Farina-Duft aufs Schlachtfeld. Damals nur im Rosolie-Flacon erhältlich und immer mit der Unterschrift Farinas signiert.

Das historische Farina Haus beherbergt heute ein Duftmuseum, in dem Besucher und Besucherinnen auf eine multisensorische Zeitreise durch über 300 Jahre Parfümgeschichte gehen können – von den ersten Essenzen über historische Flakons bis hin zur Entstehung verschiedener Dufttechniken. 

Fazit: Mehr als ein Duft – ein Stück Kulturgeschichte

Was Johann Maria Farina vor über 300 Jahren begann, ist weit mehr als nur ein Parfüm: Es ist ein kulturelles Erbe, das Köln auf der Landkarte der Düfte verewigt hat. In der heutigen Parfümwelt, wo Designer, Häuser und Nischenmarken um Aufmerksamkeit buhlen, steht Farina als ein Symbol für Tradition, Authentizität und die Kunst des Duftes

Ob du nun selbst einmal das historische Eau de Cologne riechen willst oder einfach die Geschichte hinter jedem Tropfen kennenlernen möchtest – ein Besuch im Farina Haus in Köln ist wie ein Spaziergang durch die Duftgeschichte Europas.

Im übrigen gibt es auch die Möglichkeit bei einem Duftseminar sein eigenes Parfüm innerhalb von 2 Stunden Zeit und unter Anleitung der Parfümeure selbst zu kreieren. Dazu kann ich leider nicht viel mehr erzählen, da ich diese Erfahrung noch nicht machen durfte. Dies aber mit Sicherheit irgendwann nachholen werde. Mein eigenes Parfüm zu kreieren wäre noch ein Lebenstraum.

Ach und wenn Ihr euren Tag in Köln schonmal plant, empfehle ich euch nach dem Besuch bei Farina gleich noch das Schokoladenmuseum im Anschluss. Schnappt euch also ein paar Reibekuchen als Proviant und spaziert am Rhein entlang. Ich wünsche euch viel Spaß dabei.

Miau & Ciao.

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